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Das Königreich, zu dem auch Minden-Ravensberg gehörte, wurde nach französischem Vorbild in 8 Departements, diese jeweils in 3 bis 4 Districte, diese wiederum in Cantone und diese schließlich in Municipalitäten eingeteilt. Das Departement entspricht etwa dem Preußischen Regierungsbezirk und der ihm vorstehende Präfekt dem späteren Regierungspräsidenten. Die Districte - andernorts auch Arrondissements genannt - entsprechen etwa den Landkreisen, und die ihnen vorstehenden Unterpräfekten hatten eine ähnliche Stellung wie die preußischen Landräte der ersten Zeit: Sie waren Außendienstbeamte der vorgesetzten Behörde, denen die Aufsicht und Kontrolle in einem bestimmten Dienstbezirk oblag. Das Fürstentum Minden war zum District Minden, die Grafschaft Ravensberg zum District Bielefeld geworden, beide mit nur geringfügigen Korrekturen. Sie gehörten zum Departement der Weser, dessen Präfekt, ein Herr Delius, in Osnabrück saß. Die Cantone sollten nach der Verfassung des Königreichs eigentlich keine Verwaltungs- sondern Gerichtsbezirke des Friedensgerichtes und die Municipalität die dritte und unterste Verwaltungsebene sein. Bei der Einteilung des Königreiches durch das Dicret vom 24.12.1807 hatte man aber offenbar die unterschiedlichen Siedlungs- und Kommunalstrukturen nicht bedacht und in den Streusiedlungsgebieten mangels Ortskenntnis etwas die Orientierung verloren: Im District Bielefeld entstanden 14 Cantone mit 121 Municipalitäten und einigen äußerst unzweckmäßigen Grenzen. In den anderen Districten des Weser-Departements war es ähnlich. Deshalb erging am 28. April 1808 ein weiteres Decret, "welches eine neue Territorial-Einteilungen des Weser Departements enthält" und den District in nur noch 11 Cantone einteilte, deren Namen nicht neu sind: Bielefeld, Herford, Enger, Brackwede, Schildesche, Heepen, Werther, Halle, Versmold und Vlotho. Es sind im wesentlichen die ravensbergischen Vogteien. Aber während die Cantone in den drei anderen Districten des Weser-Departements nur noch aus je einer Municipalität bestanden, sollten die Cantone des Districts Bielefeld - mit Ausnahme der Städte Bielefeld und Herford - je zwei Municipalitäten enthalten. Deren Abgrenzung wurde durch ein weiteres Decret vom 18. Mai 1808 festgelegt. Ergebnis: Jöllenbeck gehörte zu Dornberg, und beide bildeten die zweite Municipalität der Cantons Werther. 1810 annektierte Napoleon, um die Kontinentalsperre gegen England zu verschärfen, ganz Nordwestdeutschland. Die neue Grenze Frankreichs verlief von der Festung Wesel am Rhein in fast gerader Linie so zur Ostsee, daß Münster, Minden, Lüneburg und Lübeck zu Frankreich kamen. Hatte man sich 1807 noch weitgehend an alte Grenzen gehalten und ganze Kirchspiele oder Bauerschaften dem einen oder anderen Gebiet zugeteilt, so betrieb man die napoleonische Leidenschaft, Wasserläufe zu Grenzen zu machen, jetzt bis zum Exzeß. Nördlich des Teutoburger Waldes bildeten Schwarzbach, Johannisbach und Aa die neue Grenze, so daß die Kirchspiele Werther, Dornberg und Schildesche durchschnitten wurden. Vom Kirchspiel Werther blieben die Bauerschaft Isingdorf, 16 Stätten der Stadt Werther und 11 Stätten der Bauerschaft Schröttinghausen beim Königreich Westphalen. Alles andere kam zu Frankreich. Vom Kirchspiel Dornberg waren nur Deppendorf, das ganz französisch wurde, und Niederdornberg betroffen, von dem 9 Stätten südlich der Grenze und damit weiter in Westphalen lagen. Von Theesen, das sich früher weit nach Süden über den Johannisbach erstreckte, blieben 12 Stätten, von der Bauernschaft Schildesche 5 und von Brake 11 Stätten westphälisch. Gellershagen blieb unberührt, und vom Wigbold (Weichbild = geschlossene Ortslage) Schildesche fiel nur eine Stätte an Frankreich, aber Jöllenbeck, Vilsendorf, Laar, Diebrock (und alles nördlich und westlich davon) lagen nun in Frankreich. Die Grenze wurde durch Grenzpfähle markiert, auf denen Buchstaben standen: Auf der einen Seite EF (Empire fancais) und auf der anderen Seite KW (Königreich Westphalen). Die Bevölkerung aber sagte EFKW: England forderts künftig wieder. Die Grenze zerteilte Flächen von Bauernhöfen und sogar Hofstellen. Die hiesigen Beamten haben sich wohl redlich bemüht, die gröbsten Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen, aber daß muß sehr schwierig gewesen sein, denn es hat lange gedauert: Der französische Staat hatte die neue Grenze am 13.12.1810 beschlossen, aber erst am 20. Nov. 1812 erließ Jérome, jüngster Bruder Napoleons und König von Westphalens das Decret: "wodurch ... die Communal-Einteilung dieses Districts (neu) festgesetzt wird". Zu diesem Zeitpunkt existierte die Grenze in Wirklichkeit schon fast zwei Jahre. Ein Jahr später war sie verschwunden wie das ganze Königreich Westphalen und die französische Armee diesseits des Rheins. Gleichwohl spielte diese Grenze in der Erinnerung der Menschen noch lange eine wichtige Rolle, denn sie war auch Zollgrenze, und die mündliche Überlieferung von Geschichten über die damalige, offenbar lohnende Schmuggelei ist in manchen Familien bis heute nicht abgerissen. Diese Grenze hat auch die hiesige Gebietseinteilung erheblich und nachhaltig verändert: Südlich des Berges wurde ein neuer Canton Brockhagen geschaffen, dem die Reste des Cantons Halle und, weil das nicht genügte, auch das Kirchspiel Steinhagen zugeschlagen wurde, das immer zu Brackwede gehört hatte, aber seitdem nicht mehr. Dafür wurde die Heeper Senne, das Gebiet der heutigen Sennestadt, vom Canton Heepen zum Canton Brackwede verlagert, was später auch nicht mehr rückgängig gemacht wurde, und Diebrock, Eickum, Laar und Stedefreund, die immer zu Schildesche gehört hatten, kamen später auch nicht wieder zurück. Was von den drei Kirchspielen Werther, Dornberg und Schildesche in Westphalen übriggeblieben war, wurde in einem neuen Canton Schildesche zusammengefaßt. Dadurch kam Dornberg zu Schildesche, und blieb da auch nach 1813, als das Kirchspiel Werther in seinen alten Grenzen wiederhergestellt und ein eigener Verwaltungsbezirk wurde. Daß jetzt auch die Cantone des Districts Bielefeld nur noch eine Municipalität enthielten, war offenbar nicht von Bedeutung, denn in der Folgezeit ist durchgehend von der "Gemeinde Dornberg" die Rede.
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